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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 807 mal aufgerufen
 Weihnachtswelt
mande ( gelöscht )
Beiträge:

04.12.2006 13:33
RE: Francois Mande antworten

Vorwort
1431 war ein Schicksalsjahr Frankreichs, in welchem Jeanne d´Arc ermordet wurde und womöglich Francois Villon geboren wurde. Und habe nun in vollkommener schriftstellerischen Freiheit, den Geburtstag Francois auf ´Heiligabend´ gelegt. Es stimmt wohl nicht, aber was bei der Lebensbiographie von Francois Villon stimmt, weiss man sowieso nicht.


Die Geburt
Manfred Schröder

Im Jahre 1431, am Tage der Geburt des Herrn, betraten ein Mann und eine Frau die Kaschemme ´Bei Margot´ in Paris, und baten um eine Unterkunft für die kommende Nacht. In diesem Jahr war der Winter besonders hart und es herrschte eine grosse Kälte. Auch machten englische Soldaten, Räuber und sogar Wölfe aus dem nahen Bois de Boulogne, die Strassen unsicher. Margot, ein grosses, stämmiges Weib, welches früher ein Freudenmädchen gewesen war, wollte sie schon schroff abweisen. Doch dann gewahrte sie, dass die noch junge Frau in einem lumpigen Bündel eingewickelt, ein Kind trug. Mitleid regte sich in ihr, und sie führte das Paar, gefolgt von neugierigen Blicken, in einen dunklen Raum, der am Ende des Flures lag. Dem Hausknecht befahl sie, Stroh und eine Kerze zu holen. Sie selbst begab sich in die Küche und brachte den beiden etwas Brot, Käse und einen Krug Wein.
-Wie alt ist das Kind-? fragte sie. Die junge Frau lächelte scheu.
-Vor drei Tagen ist es zur Welt gekommen.-
-Hat es schon einen Namen?-
-Wir wollen ihn Francois nennen.-
Margot nickte und blickte auf den Mann, der dastand und schwieg. Dann ging sie zurück in den Kaschemmenraum, wo die frohe Botschaft des Engels, dass heute das Heil der Welt geboren sei, im Lärm der Gäste unterging.
Um die selbe Stunde zogen drei Vagabunden, von Rouen kommend, durch das Stadttor, welches erst nach einigen Pariser Pfennigen, vom Wächter murrend, noch um diese späte Abendstunde, geöffnet wurde, in Paris ein.
Einer von ihnen, der entlaufende Mönch Thieboult, steckte in einen dichten Pelz, welchen sie bei einem Überfall auf einen jüdischen Händler, erbeutet hatten. Abwechselnd trug ein jeder die warme Kleidung, um vor der grimmigen Kälte geschützt zu sein. Die zwei anderen waren Regnier, der Troubadour, der in einem alten Sack seine Laute über der Schulter trug, und Tangyi, ein Mörder, mit heiliger Einfalt. Mühsam stapften sie durch den hohen Schnee, der in den engen Gassen lag. Manchmal stolperten sie über eine zu Eis gefrorene Leiche. Über den kleinen und schiefen Häusern hing ein tiefer und dunkler Himmel. Nur in einigen Fenstern flackerte Kerzenlicht. In kleinen Zimmern hockten, eingemummt in dicker Kleidung, Schreiber, denen die nächtliche Arbeit gestattet war.
-Ist es noch weit, bis zu deiner Margot-? fragte Thieboult, der in kurzen Stössen schwer atmete. Regnier schüttelte den Kopf.
-Gleich dort in der Rue au Lavendiers.-
Beim Haus angekommen, ein schiefes, von Einsturzgefahr bedrohten Gebäude, hörten sie den Lärm der Gäste, der durch die mit dicken Holzblenden und Decken geschlossenen Fenster drang.
Als sie eintraten, nahm man kaum von ihnen Notiz. Die Männer, darunter auch einge englische Soldaten, waren zu sehr mit dem Wein und den Busen der Freudenmädchen beschäftigt, welche mit Hurenblick abschätzend zu den dreien herüberblickten. Margot bemerkte Regnier sofort und winkte sie heran.
-Kommt-, sagte sie.
-Wir gehen in den Nebenraum.-
Regnier stellte seine beiden Kumpane vor. Margot lächelte.
-Hab nicht gedacht, dich nochmals wieder zusehen. Sah dich oft im Geiste-, sie legte ihre linke Hand um den Hals, -schon an irgend einem Aste hängen.-
Thieboult lachte.
-Das tut doch weh, und man stirbt sogar daran.-
Regnier war ein wenig verlegen.
-Ich hatte einen Traum. Ja. Ein Engel erschien mir, der mir sagte, Gehe zu Margot. Dort wirst du etwas finden.-
Thieboult schnitt eine Grimasse.
-Hätte ihm lieber sagen sollen, Ziehet in den Süden, wo es jetzt warm ist!-
Margot streichelte das unrasierte Gesicht Regniers.
-Mein kleiner, verträumter Troubadour. So, jetzt hole ich euch erst was zum Essen und zum Trinken. Können später weiter reden.-
Sie blickte zu Tangyi, der vor sich hinblickend, auf dem Boden sass. Als Margot aus der Küche zurückkam, stürzten sich die drei, wie ausgehungerte Wölfe über das Essen. Hin und wieder ging Margot in den Kaschemmenraum und kam mit einem gefüllten Weinkrug wieder zurück.
-Hör, Regnier, in dem Raum, wo du früher immer übernachtet hast, kann ich euch leider nicht unterbringen. Dort befindet sich ein junges Ehepaar, mit ihrem soeben geborenen Kind. Du kannst zu mir kommen und deine beiden Freunde, bringe ich bei einer der Mädchen unter.-
Auf dem Gesicht Tangyis erschien ein einfältiges Lächeln und Thieboult schnalzte mit der Zunge.
Regnier schwieg einen Augenblick.
-Ich möchte gerne das Kind sehen.-
Margot blickte ihn einen Augenblick aufmerksam ins Gesicht. Dann zuckte sie die Schultern und nickte.
-Ja, warum nicht. Komm!.-
Regnier erhob sich, nahm seine Laute und wandte sich an die beiden Anderen.
- Kommt auch .-
Und zu Thieboult:
-Nimm den Pelz mit.-
Sie verliessen den Raum und Margot führte sie zu dem jungen Paar und dem Kind. Als die Mutter die Männer erblickte, füllten sich ihre Augen mit Angst. Doch Margot lächelte ihr freundlich zu.
-Hab keine Angst. Sie tuen euch nichts an,-
Der Mann stand da und schämte sich.
Lange schaute Regnier auf das Kind herab.
-Wir sind zwar nicht die Heiligen Drei Könige. Doch ein Geschenk will ich dir machen.-
und er legte die Laute zu seinen Füssen.
-Was wäre die Welt, ohne den Troubadour.-
Thieboult schaute verständnislos, bis auch er begriff.
-Auch ich will nicht abseits stehen. Hier, nimm diesen Pelz. Er wird euch wärmen, in dieser Jahreszeit-
Regnier stiess Tangyi an. Dieser überlegte krampfhaft und suchte nach Worten. Dann lächelte er und sprach so frei, dass sich die anderen wunderten.
-Ich bin nur ein Galgenvogel, der oft dem Strick entfliehen konnte. Doch der ein Messer gut zu führen weiss. Ich überreiche dir diesen Dolch. Du wirst ihn eines Tages bestimmt nötig haben.-
Als die drei nach draussen traten, waren die dunklen Wolken verschwunden, und der Himmel war mit Sternen gesäät. Und eine helle Stimme erklang:
-In dulci jubilo!-
Drei Vagabunden waren es, die das Schicksal für Francois bestimmt hatte.

Mande

P.S.:
Wie bekomme ich, die Cedille unter dem c von Francois?

[ Editiert von Administrator mande am 05.12.06 12:54 ]

[ Editiert von Administrator mande am 05.12.06 17:24 ]

HolySmokes Offline




Beiträge: 7.720

08.12.2006 12:21
#2 RE: Francois Mande antworten

Deine Geschichte gefällt mir gut, erst das vertraute unbekannte Thema und sie entführt in andere Zeiten, mag ich gerne. Mein größter Kritikpunkt:

Viel, vieel zu kurz. Das liest sich alles so atmosphärisch und einladend, da würde ich gerne stundenlang drin lesen können, wenn nicht sogar Tage. Für den Anfang würden mir aber auch wenigstens einige Minuten mehr Lesestoff reichen.

mande ( gelöscht )
Beiträge:

08.12.2006 12:55
#3 RE: Francois Mande antworten

Deine Antwort,liebe Christine, ist mir zugleich Kritik und Lob. Lob, na klar, weil sie dir gefallen hat. Kritik, weil zu kurz. Nun, es stimmt! Eigentlich ist dis ein Versuch, oder ein Anfang, für eine ´Lebensgeschichte´, des Francois Villon. Habe schon einiges gesammelt. Soll auch gleichzeitig ein kleines Bild vermitteln, über die Zeit, in die Villon gelebt hat. In wie weit ich vorwärts damit komme? Wichtig ist, seine Zeit zu begreifen. Das heisst für mich: Noch viel recherche.
Zum Glück ist mein französisch so doch gut, das ich auch auf französische Seiten im Internet viles finde.
Wenn die nächste Episode(etwas aus seiner Jugend) fertig ist, wirst du sie als erste lesen!
Dein Mande

Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

08.12.2006 13:31
#4 RE: Francois Mande antworten

Lieb Mandelein,

ich habe Deine wunderschöne Geschichte jetzt erst entdeckt und mit Vergnügen gelesen. Mit Christine bin ich einer Meinung, dass Du sie ein bisschen ausführlicher schildern solltest, denn es ist doch sehr viel auf einmal darin verpackt. Dabei achte aber darauf, nicht zu ausschweifend zu werden, wie ich es einmal mit einer meiner Geschichten gemacht habe. Ich hatte danach viel Mühe, sie wieder in den richtigen Rahmen zu bekommen.

Das ç findest Du im Windows-Schreibprogramm unter Sonderzeichen (normaler Text). Buchstaben anklicken und einfügen.

mande ( gelöscht )
Beiträge:

08.12.2006 13:38
#5 RE: Francois Mande antworten

Ja, vielen Dank, liebe Arammesh für den Typ c unter Francois,
Mit Güssen,
mande

juliamax Offline




Beiträge: 4.216

08.12.2006 14:03
#6 RE: Francois Mande antworten

Schön, mande. Schön, schön, schön. Und mir geht`s wie Christine. Ich will mehr davon - viel mehr!

mande ( gelöscht )
Beiträge:

08.12.2006 14:29
#7 RE: Francois Mande antworten

Danke auch dir, liebe Sylvia. Werde fleissig sein und viel recherchieren. Vieleicht wird die zweite Geschichte fertig an dem Ende disen Jahres.
Dein,
Mande

Karl K ( gelöscht )
Beiträge:

08.12.2006 16:50
#8 RE: Francois Mande antworten

Mande, den Arameshs Tipp darfst Du ruhig anwenden. Es war doch François gemeint, oder schreibt man das mit einem anderen Akzent?

Patricia Koelle Offline




Beiträge: 4.239

08.12.2006 17:25
#9 RE: Francois Mande antworten

Mir gefällt die Geschichte auch sehr gut, lieber Mande, tolle Idee, lebendig und bunt beschrieben!


liebe Grüße, Patricia

Gemini Offline




Beiträge: 11.570

11.12.2006 16:24
#10 RE: Francois Mande antworten

ja Mande, das ist wirklich eine schöne Geschichte geworden, es hat mir schon gefallen, dass die Drei den Pelzmantel im Wechsel getragen haben, aber dass sie ihn auch noch verschenken....
Eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte, vielen Dank dafür

mande ( gelöscht )
Beiträge:

11.12.2006 16:43
#11 RE: Francois Mande antworten

Noch malig vielen Dank, für eure Anteilname an meine Geschichte, bei der ich habe versucht, trotz mandescher Kürze, ein wenig die Zeit Villons herüberzubringen. In wieweit es mir gelungen ist, nun ja.

Mit freundlichen Grüssen,
Mande

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