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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Weihnachtswelt
Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

04.12.2006 12:46
RE: 2 amüsante Weihnachtsgeschichten, sehr kurz antworten

Damit ein Schmunzeln dies Cafe erfüllen möge, hier zwei weihnachtliche KG amüsanter Art.

Uhr-ige Weihnachten

Mutters hölzerne Tischuhr, die ihren Platz auf dem Wohnzimmerschrank gehabt hatte, war kurz vor Weihnachten stehen geblieben, und zwar just in dem Augenblick, als ein Löffelverbieger, eine Art Uri-Geller-Verschnitt, im Fernsehen experimentierte.

Nun war unsere Verwandtschaft heftig am Diskutieren, ob es sich um einen Zufall gehandelt hatte oder ob es tatsächlich diesem mysteriösen Medium zuzuschreiben sei. Das Uhrwerk zu reparieren lohnte sich jedenfalls nicht mehr.

Heiligabend waren Opa, Tante Adele und ich dann bei Vater und Mutter eingeladen. Ich brauchte noch ein Weihnachtsgeschenk für Mutter. Es lag auf der Hand, mich für eine Uhr zu entscheiden. Aber was würden Opa und Tante Adele tun? Ich besann mich darauf, als Einziger der Runde Schachspieler zu sein und die denken ja bekanntlich weiter. Die anderen würden vielleicht überlegen, eine Uhr zu wählen, dann aber sicher darauf verzichten, um der Peinlichkeit aus dem Wege zu gehen, ein zweiter oder gar dritter könnte gleiches tun. Also würde ich gerade deswegen eine Uhr schenken. Ein Schachspieler denkt eben weiter.

Exklusiv im Privatfernsehen wurde eine Porzellantischuhr angeboten, mit puttenähnlichen Figuren und feinem Goldrand verziert. Das gute Stück war originalgetreu einer berühmten Uhr aus dem siebzehnten Jahrhundert nachgebildet und in einer limitierten Auflage erhältlich. Ich war begeistert. Das musste genau das Richtige für Mutter sein. Ältere Leute mögen so etwas.

Heiligabend, wir sangen ein paar Weihnachtslieder, dann öffneten wir die Geschenkpakete. Vor Mutter standen drei Pakete gleicher Abmessungen, eins von Opa, eins von Tante Adele und eins von mir. Mutter packte eine Uhr nach der anderen aus, jede mit denselben wundervollen puttenähnlichen Verzierungen.

Zuerst schauten wir uns untereinander ziemlich betreten an. Aber als Vater anfing schallend zu lachen, trugen wir es mit Humor. Und ich gelangte zu der Erkenntnis, dass auch Nicht-Schachspieler weiter denken können.

Wir trösteten Mutter, falls ein Uhrwerk nicht mehr exakt funktionieren sollte, hätte sie ja Ersatz. Die Uhr von mir wurde eingelagert, die von Adele bekam ihren Platz auf dem Flur und die von Opa auf dem Wohnzimmerschrank, wo die alte Tischuhr gestanden hatte.

Nach einem halben Jahr gestand Mutter mir, dass sie Porzellanuhren mit Putten kitschig fände, außerdem passten sie nicht zu ihren Möbeln. Sie verbannte sie an unscheinbare Orte in Bügelzimmer und Speisekammer. Nur wenn Opa oder Tante Adele ihren Besuch ankündigten, wanderten die Uhren geschwind auf ihre auserwählten Plätze. Ich fragte Mutter, ob ich die ungeliebten Uhren nicht auf dem Flohmarkt veräußern solle. Das lehnte sie entschieden ab, denn man dürfe keine Geschenke verhökern. Außerdem wären Opa und Tante Adele untröstlich gewesen.

Ungefähr drei Jahre gingen ins Land und die Uhrwerke der Porzellanuhren funktionierten nach wie vor mit beängstigender Präzision. Mutter befürchtete, sie würden ewig halten. Auf mein Drängen hin brachte Mutter die unverwüstlichen Zeitmesser endlich zum Trödler in die Geibelstraße. Der Verwandtschaft schwindelten wir vor, Mutter hätte die Uhren mit einem Spezialpflegemittel gereinigt und auf den Terrassentisch zum Trocknen gestellt. Dummerweise hätte ich an eines der Tischbeine meinen bulligen Rottweiler Bonzo angebunden, der bei der spontanen Verfolgung des Briefträgers den kleinen Tisch mitgerissen habe. So seien die Uhren jäh auf den Fliesen zerschellt.

Opa und Tante Adele meinten, so ein Missgeschick könne auch nur mir passieren mit meiner mangelnden Umsicht. Aber ich ertrug geduldig ihren Spott, hatte ich doch Mutter eine große Bürde genommen.

Heiligabend stand abermals vor der Tür. Diesmal kamen nur Opa und ich auf Besuch bei Vater und Mutter. Tante Adele musste mit ihrer Familie feiern. Ich wollte den leeren Platz auf dem Wohnzimmerschrank ausfüllen. Mutter zeigte mir eine Holzuhr in einem Katalog, die ihr gefiel und in deren Stil ich ihr eine schenken sollte. Opa war an jenem Heiligabend bereits morgens eingetroffen und begleitete mich in die Stadt, um ebenfalls noch ein Geschenk zu besorgen. Wir trennten uns bald im gegenseitigen Einvernehmen. Keiner sollte sehen, was der andere für Geschenke erwarb. Wir legten Wert auf Überraschungen.

Vater ließ abends den Tannenbaum im Lichterglanz erstrahlen. Wir sangen dazu, wie jedes Mal. Dann öffneten wir die Präsente. Mein Geschenk, eine schöne hölzerne Tischuhr, packte meine Mutter als Erstes aus. Sie bekam sofort den zentralen Platz auf dem Wohnzimmerschrank. Opas drei Geschenke mit mir vage vertrauten Abmessungen packte Mutter als Nächstes aus. Im Nu standen drei gleiche Uhren aus Porzellan mit Putten vor ihr auf dem Gabentisch, die einmal in limitierter Auflage im Privatfernsehen offeriert worden waren. Opa triumphierte stolz. Er hätte möglicherweise die drei letzten Exemplare, die es auf dem ganzen Globus noch käuflich zu erwerben gegeben hätte, erstanden, und der Trödler in der Geibelstraße hätte ihm nicht gerade einen billigen Preis gemacht. Aber für Mutter sei ihm kein Opfer zu groß, und ich solle mich tunlichst von diesen Wertanlagen fernhalten.

Mutter machte indes ein Gesicht, als ob sie sich nicht schlüssig war, ob sie vor Verzweiflung lachen oder weinen sollte. Seitdem stand immer eine jener Porzellanuhren in der Glasvitrine im Esszimmer und ich hatte zuweilen das Gefühl, als grinsten die Putten mich hämisch an.

* * *

Weihnachtliches Familientreffen

Nach längerer Abstinenz traf ich mich mit meinen älteren Brüdern Karl und Uwe am Heiligabend bei den Eltern wieder und meine Freude hob an wie ein gasgefüllter Luftballon. Leider haben Ballons die Neigung zu zerplatzen.

Mutter war noch am Putzen, während Vater ein Vogelhäuschen bastelte. Und zwischen Karl, Uwe und mir herrschte Einigkeit; wir wollten uns nicht gegenseitig beschenken. Der Duft von Gänsebraten steigerte meine Stimmung noch und Schneeflocken wie Wattebäuschchen schwebten gegen die Scheibe des Wohnzimmerfensters.

Dann wollte ich die Lichterkette über den Christbaum hängen. Aber Karl und Uwe hefteten sich an das Kabel und keiften einstimmig: „Wir legen die Lichterkette an. Schließlich sind wir in der Elektrobranche. Du kannst schmücken.“ Dazu hatte ich absolut keine Ambitionen. Doch ich gab nach. Dann rief Mutter zum Festtagsmenü.

Die Eltern hatten ihre Möhrendiätteller vor sich, und ich lechzte nach den prallen Keulen der Gans, leider pietätvoll, wie ich nun mal bin, einen Moment zu lange, denn im Nu hatten Karl und Uwe sich jeder einen Schenkel abgetrennt. Ich trat in den Hungerstreik und trank nur von dem Rotwein ein wenig.

Wie widerlich Karl schmatzte und diese lüsternen Augen dabei. Und wie abscheulich sah doch Uwes Jackett um den Halsausschnitt herum aus. Lauter Schuppen waren darauf gerieselt. Mutter schaute besorgt zu mir herüber und sagte: „Junge, nun iss doch. Es ist genug da.“ - Nein, es fehlte eine Gänsekeule.

Am Spätnachmittag, Mutter war noch am Backen, machte sich Vater einen Spaß und verkleidete sich als Weihnachtsmann mit den Sachen von früher. Die Knopfleiste am Mantel über seinen Bauch dehnte sich. Vater trabte hinaus in den Garten und polterte bald wieder niesend in die Wohnstube herein. Er drohte lachend mit der Rute: „Man pinkelt aber nicht in den Schnee.“ Uwe und Karl bezichtigten mich: „Enno muss es gewesen sein. Wir beiden haben ja nichts getrunken.“ „Soso“, explodierte ich.

„Es war ein Kaninchen.“ beruhigte Vater uns, entzündete die Kerzen, holte Mutter aus der Küche und sie gaben jeden von uns einen Hundertmarkschein. Sofort entspannte sich die Atmosphäre, bis Vater den Sack ausschüttete. Er meinte etwas verlegen: „Irgendetwas musste ich ja in den Sack stecken. Vielleicht kann sogar jemand von euch den Plunder gebrauchen.“ Eine wunderschöne Spieldose und eine angefressene Puppe präsentierten sich.

Ich überlegte, ob ich die Spieldose lieber in meiner Spiegelvitrine oder auf meiner Barsäule platzieren sollte, als sich Uwe ihrer bemächtigte. Diesmal protestierte Karl und ich befand mich plötzlich nicht mehr in der streitenden Minderheit. Und kühn brach es aus mir heraus: „Mir steht die Spieldose zu. Ihr habt die Gänsekeulen verzehrt!“ Karl lenkte ein, er sammle neuerdings solche Dosen, und so würde er bei einem Verzicht darauf am meisten leiden. Zudem behauptete er, Uwe könne nichts mit dem Spielzeug anfangen, er wolle ihn nur verärgern.

Die Kontrahenten bedienten sich eigensinniger Streitgepflogenheiten, mit dem Erfolg, dass Uwe sich wütend mit seiner Beute verabschiedete, und ich hatte nur noch einen Gegner, an dem ich den Frust über mein erlittenes Unrecht abreagieren konnte. Ich zwinkerte Mutter zu und wandte mich an Karl: „Ich überlasse dir die Puppe. Für dich wird es Zeit, Vater und Mutter endlich Enkelkinder zu bescheren, die damit spielen können.“

Ich wusste, dass Karl dieses Thema hasste, denn mit Frauen gab er sich nicht ab, weil er Ängste hatte, ihnen gegenüber zu versagen. Karls Schädel lief blaurot an. Er schmiss die Puppe fort, die Mutter ihm inzwischen in die Hand gedrückt hatte, stokelte hastig hinaus zu seinem Cabriolet und fuhr mit aufbrausendem Motor davon.

Mutter jaulte, und ich befürchte, erst wenn es Gänse mit drei Beinen gibt, treffe ich mich mit meinen Brüdern wieder.

* * *

HolySmokes Offline




Beiträge: 7.720

04.12.2006 13:04
#2 RE: 2 amüsante Weihnachtsgeschichten, sehr kurz antworten

Habe mich beim Lesen beider Geschichten köstlich amüsiert und frage hiermit förmlich nach, ob zum Weihnachtsfest im Hause Ahrens auch Eintrittskarten verkauft werden .

Wenn keine Einwände bestehen, würde ich dieses Thema gerne in unsere Weihnachtswelt verschieben, da passen die Geschichten bestens hin!

Gemini Offline




Beiträge: 11.570

04.12.2006 13:24
#3 RE: 2 amüsante Weihnachtsgeschichten, sehr kurz antworten

ja, die Weihnachtswelt schreit geradezu nach diesen Geschichten

also die mit den Uhren... klasse, die andere auch, aber die mit den Uhren... die liebe ich

mande ( gelöscht )
Beiträge:

04.12.2006 13:42
#4 RE: 2 amüsante Weihnachtsgeschichten, sehr kurz antworten

Ja, mir hat auch, neben die andere, auch ´Uhrige Weihnachten´ ganz gross gefalen.
Wird ein richtiges ´Geschmunzelweihnachten´ werden.

Mit Gruss,
Mande

Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

04.12.2006 15:09
#5 RE: 2 amüsante Weihnachtsgeschichten, sehr kurz antworten

So viel Lob macht mich verlegen und stellt mich wehrlos, und so habe ich auch nichts gegen eine Verschiebung in die Weihnachtswelt.

Beste Wünsche
E.

juliamax Offline




Beiträge: 4.216

11.12.2006 12:50
#6 RE: 2 amüsante Weihnachtsgeschichten, sehr kurz antworten

Enno, ich nehme auch eine Eintrittkarte. Schade, daß ich ein EInzelkind bin.

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