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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 296 mal aufgerufen
 Lustiger Marktplatz mit eigenem Springbrunnen
mande ( gelöscht )
Beiträge:

29.11.2006 18:41
RE: Neue Pädagogik antworten

Neue Pädagogik, oder von pinkelnden Hühnern und geküssten Tellern


Wir sind Nachrichtenredakteure. Wir lesen täglich dutzende Zeitungen und hunderte Agenturmeldungen. Wir dachten, es gibt nichts, das wir nicht kennen. Wir wurden eines Besseren belehrt. Gestern haben wir Sie an dieser Stelle aufgefordert, uns Ihre liebsten Eltern-Erziehungssprüche zu schicken und ahnten nicht, dass diese Bitte das Leben unserer eigenen Kinder nachhaltig ändern würde. Doch nun steht fest: In den Haushalten der tagesschau.de-Redakteure kommen langweilige Standard-Sprüche künftig nicht mehr zum Einsatz.
"Jetzt aber fettbärtig machen!"

So werden wir uns den Satz: "Ich stand mehr als eine Stunde in der Küche und jetzt wird wenigstens mal probiert und nicht gleich geschrieen 'ich mag das nicht'", künftig sparen. Der Vorschlag von Hartmut M. scheint uns wesentlich effektiver. Seine Eltern sagten: "Ihr esst jetzt den Spinat, sonst erschieße ich den Hund". Künftig befehlen wir auch nicht mehr: "Es ist schon dunkel, jetzt schnell Zähne putzen, Hände und Gesicht waschen und ab ins Bett". Stattdessen rufen wir nur noch munter "Nun aber fettbärtig machen!" und unsere Kinder werden uns lieben. Auch Carlos S. hat dieser Spruch seiner Eltern stets besonders gefallen. Eine interessante Variante scheint uns auch die unmissverständliche Aufforderung des Vaters von Hermann S. zu sein. Dieser sagte: "EKG 14,1" und seine Kinder wussten: Im evangelischen Kirchengesangbuch heißt es in der ersten Strophe des 14. Liedes: "Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern".
"Gib deinem Teller einen Kuss"

Nicht vorenthalten wollen wir Ihnen auch die "Patchworkfamilienvariante" eines absoluten Klassikers. Die Mutter von Niklas R. ermahnte ihn und seine acht Stief- und Halbgeschwister stets mit den Worten: "Solange Du Deine Füße unter MEINEN Tisch im Haus DEINES Stiefvaters stellst, tust Du das, was WIR BEIDE sagen!" Doch unsere absoluten Favoriten schickte Manuela R., Tochter eines Kroaten. Ihr Vater übersetzte mit großer Leidenschaft kroatische Weisheiten ins Deutsche - zumindest behauptete er, dass es sich um kroatische Sinnsprüche handelte.

Wenn unsere Kinder am Abendbrottisch ununterbrochen reden, dann sagen wir genau wie Vater R. künftig nur noch: "Wenn Erwachsene am Tisch sitzen, sprechen Kinder nur, wenn man die Hühner pinkeln hört." Und sollten unsere Nachkommen die Nahrungsaufnahme verweigern, dann fragen wir frohgemut: "Schmeckt dein Essen nicht? Dann gib deinem Teller einen Kuss und geh in dein Zimmer."

Mande

Karl K ( gelöscht )
Beiträge:

04.12.2006 21:45
#2 RE: Neue Pädagogik antworten

Dieses Thema, Pädagogik, mag durchaus geeignet sein, ein von Mande erwähltes Bild hier vorzustellen:




Lehrstunde

Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

06.12.2006 15:15
#3 RE: Neue Pädagogik antworten

Zum Thema Schule kann ich auch einen kurzen Dialog zwischen Gegentypen, hier Lehrer - Schüler, beisteuern, zwar etwas angestaubt schon, aber auf Originalität kam es bei dieser Übungsaufgabe nicht an.

Aus dem Schneider

Gleich nach den Sommerferien stand er plötzlich neben mir auf dem Schulhof: „Darf ich mich vorstellen. Ich bin der neue Lehrer, Herr Urban. Und wer bist du?“
„Och, Jens Krawutke aus der 6a“, brummte ich und dachte: Der sieht eher aus wie ein Schlachter, diese prächtigen Arme und roten gesunden Wangen, ein echtes Landei.

„Jens, was sind das hier für abscheuliche Schmierereien an der Schulhofmauer. Weißt du, wer...?“
„Ich, Herr Lehrer, weiß nichts. Denn ich bin ein mieser Schüler.“ Und mir war klar, Kunstlehrer konnte der nicht sein, denn die nackten Frauen auf der Mauer waren mir exzellent gelungen. Und freudig sang ich das coole Lied vom kleinen Scheißhaus, das momentan in der Penne voll „in“ war.
„Was für ein verrufener Text, Jens. Ich merke schon, mit der Moral hapert’s
erheblich.“
Scheiß auf die Moral, überlegte ich. Auf die Musik kommt es an. Ich spiele Flöte und habe Ahnung. Und bei Herrn Urbans Pranken würde sich jedes Musikinstrument verweigern, also Musiklehrer wird er auch nicht sein. Und Sportlehrer konnte so ein Walross auch nicht sein. Und Mathepauker?
„Ich hab mal ne Frage, Herr Urban. Was sind Sie eigentlich für ein Lehrer?“
„Na, rate mal, Bürschchen. Du wirst dich wundern.“
„Ich schätze, ein Mathelehrer.“
„Wie kommst du denn darauf?“
„Och, Sie sehen aus wie ein echter Bosstyp, einer der ständig seine Kohle zählt oder seine Warenbestände.“
„Falsch geraten, Bürschchen. Ich bin einer, bei dem die Schüler auch Gesetze erlernen, aber die der...“
„Lassen Sie’s gut sein. Ich will selber drauf kommen.“
„Nun gut.“
„Was Sie unterrichten, hat sicher nichts mit Lachen zu tun?“
„Genau richtig erkannt. Ich dulde auch keine Widerworte. Wie du siehst, bin ich ein Knochenbrechertyp erster Güte. Deswegen bin ich in euer Sündenpfuhl berufen worden. Und ich werde meine Mission mit Macht durchsetzen.“
„Das hört sich gar nicht gut an.“
„Nun, ich will nur euer Bestes. Ihr sollt zu Anstand und Ehrlichkeit erzogen werden nach den Gesetzen der Moral.“
„Oh, ich werde verrückt, das kommt mir bekannt vor. Sie sind Religionslehrer.“
„Volltreffer.“
„Dass Sie mich jetzt züchtigen können, dürfen Sie vergessen.“
„Wieso?“
„Wir Krawutkes sind von Natur aus ehrlich und anständig. Das hat mein Vater Ihrem Vorgänger schon gesagt.“

Auf einmal bog mein Kumpel Kalle Motzke um die Ecke und rief lauthals von weitem: „Man Jens, die Weiberzeichnungen auf der Mauer sind dir echt klasse gelungen.“
„Ja, ich weiß. Und so eindeutig, so eindeutig, dass sich der neue Lehrer daran stößt.“

Und mit erhobenem Zeigefinger maßregelte Herr Urban mich: „Guck an, lieber Jens, bist du also doch nicht anständig und ehrlich. Sonst hättest du mir nicht verschwiegen, dass du der Urheber dieser obszönen Malereien bist.“

„Nein, das bin ich auch nicht, das muss der Teufel in mir gewesen sein.“

Aber um diese Fragen führten andere ganze Kriege. Doch ich brauchte es Gott sei Dank nicht. Ich war vom Religionsunterricht freigestellt.

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