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Dieses Thema hat 25 Antworten
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HolySmokes Offline




Beiträge: 7.720

07.10.2006 11:12
RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Ich meine gestern einen Bruchteil einer Vorschau für eine Serie aufgeschnappt zu haben, die den Alltag amerikanischer Soldaten im Irak zum Inhalt hat.
Ich kanns ja kaum glauben, aber auf der anderen Seite, kann ich kaum glauben, dass ich mich so verguckt, oder verhört haben soll.

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

11.10.2006 12:32
#2 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

na ja, hoffe dann nur,daß es auch den alltag zeigt. und keine rosa-welt, die das leben als soldat schmackhaft macht.
ich glaube, die meisten soldaten sind einfach nur noch froh, wenn sie endlich wieder rauskommen da aus der hölle.
wie krank muss man sein, um sich dort wohlzufühlen?

Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

11.10.2006 17:35
#3 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Wir leben in einer Welt aus Stein. Leider wird sich viel zu oft auch blind auf die Berichterstattung der Medien verlassen und Filme können da ihre besondere Wirkung ausüben. Vieles wird verherrlicht und meist nur eine Seite gezeigt. Gerade Irak leidet entsetzlich durch einen Krieg, der eigentlich ein unberechtigter Überfall war und dessen Anlass Lügen und Intrigen waren, weil gewaltige Ölmultis hinter der us-amerikanischen Regierung stehen.
Im Iran habe ich mich oft über einseitige Berichterstattung und Propaganda geärgert. Aber mein Land ist nun mal kein demokratisches Land. Hier habe ich festgestellt, dass es nicht viel anders ist. Die westlichen Medien produzieren ein Feindbild gerade vom Islam (das alte Feindbild, der Kommunismus ist dahingeschieden). Und warum? Ein Grund ist kristallklar: Islam befindet sich dort, wo auch das Öl fließt, und da wirtschaftliche Belange den Westen haben stets Partei ergreifen lassen, wo sein Vorteil liegt, brauchen wir darüber auch nicht lange zu diskutieren. Irak ist das beste Beispiel (und genauso wenig wie Irak die Atombombe hatte, genausowenig hat Iran sie!!!)
Die Millionen Moslems, die friedlich ihrer Religion nachgehen und sich auch von extremistischen Verbindungen fernhalten, werden einfach beiseite geschoben. Dass sie sich ebenfalls Frieden wünschen, wie wir hier in Europa, passt nicht ins Bild.
Ebenso die aus meiner Sicht falsche Politik des Staates Israel. Ich bin selbst vom Matriachat her Jüdin. Mein Vater war Moslem. Also weiß ich sehr wohl, wovon ich rede. Ich bin keine Zionistin und die Politik Israels macht mir Angst, obwohl ich weiß, dass auch dort Menschen leben, die sie nicht gutheißen.
Deutschland traut sich aufgrund seiner Vita nicht zur Kritik. Das ist aus meiner Sicht falsch. Auch ein Bruder wird zurechtgewiesen, wenn er falsch handelt - nicht mit Schlägen, sondern Worten, die überzeugen sollten.
Krieg, der nur unschuldige Opfer fordert, ist keine Lösung. Gerade Gewalt erzeugt nur Gegengewalt, und Menscen die sich heute noch davon fernhalten, sind morgen vielleicht dabei, weil sie um Menschen trauern, die ihnen mit Gewalt genommen wurden. So werden die gestärkt, die wir doch eigentlich schlagen wollen. Der Dialog ist wichtig - und wie Du schon sagst, es braucht seine Zeit. Wie lange hat Deutschland gebraucht, um auf die Füße zu kommen, wie lange Europa, um zu wachsen? Das alles hat ja auch seine Geschichte, genau wie die negativen wie auch positiven Bestrebungen im Nahen Osten.
Amerika hat im Iran (Zeit der Besatzung unter dem sog. Schah sowie Irak-Krieg) leider seine hässliche Fratze gezeigt und findet dort kaum noch Zustimmung. Im Iran z. B. setzen die Menschen ihre Hoffnung auf Europa, besonders auf Deutschland und Frankreich. Darüber sollten sich die Menschen auch Gedanken machen und den Friedensdialog weiter unterstützen.

Ich weiß nicht, ob das jetzt "too much" war, aber das musste ich mal loswerden.

Liebe Grüße
Aramesh

Gemini Offline




Beiträge: 11.570

11.10.2006 18:05
#4 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

nein, war nicht to mutch, war Dein Empfinden

meines ist ganz ähnlich, wenn auch nur aus der beobachtenden Perspektive

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

11.10.2006 18:41
#5 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

hallo aramesh,
finde deinen beitrag richtig interessant. ich hab sehr viel iranische freunde gehabt und es macht mich einfach wütend, wenn ich die amerikanische angriffslust sehe. sie haben absolut nichts aus dem irak gelernt. man kann ein land nicht von aussen ändern. sehen wir ja auch in afganistan. ich frage mich, was wirklich hinter diesen angriffen steht?
nur öl kann es auch nicht sein wenn sie jetzt planen auch noch den iran anzugreifen. ich hoffe, es wird nicht dazu kommen.
für mich ist religion eine ganz persönliche sache. mit waffen kann ich niemanden zum glauben erziehen. das zeigt nur meine eigene unvollkommenheit.
wie heisst es so schön? ich kann niemanden ändern-ich kann nur mich selbst ändern

Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

12.10.2006 09:03
#6 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Ihr Lieben,
was mich wirklich traurig macht, ist diese angekündigte Serie über amerikanische Soldaten im Irak. Das Land heißt Irak. Warum zeigt man nicht, wie es der Bevölkerung unter dem Joch der Besatzung geht, was sie denkt, was sie fühlt, warum sie so leiden muss und was für Hoffnung sie hegt. Fast alles, was im Irak geschieht, wird von außen hineingetragen. Irak ist zum Spielball eines Kräftemessens geworden zwischen Ost und West. Eins muss man wirklich klarstellen, Länder wie Irak (und Iran), die über die größten Ölressourcen im Nahen Osten verfügen, werden in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen überfallen - hier das Öl.
Als die Russen in Afghanistan einmarschierten, hat sich dafür doch kein Mensch interessiert. Nixon hat sogar geäußert, Afghanistan sei die Toilette des Orients (weil da einfach nichts zu holen ist, ein armes aber schönes Land). Die Afghanen waren nie übertrieben religiös. Das hat sich letztendlich erst durch den Einfluss der Taliban geändert, die - wie man heute weiß - auch von den Amerikanern unterstützt wurden, um unauffällig wieder an den Iran heranzukommen. Saddam war ein schrecklicher Diktator, er wurde von den Amerikanern gestützt (auch gegen den Iran), bis er sich verselbständigte. Die Kurden haben sehr unter ihm gelitten. Dennoch ist unter ihm nicht so viel Unheil angerichtet worden, wie unter der Besatzung der Amerikaner. Nun leiden alle und sterben Tausende.
Iran hat bis jetzt bei der Atomanreicherung gegen keine Konventionen verstoßen. Der Vertrag für die friedliche Nutzung der Atomkraft ist rechtens und nötig besonders für den Moloch Teheran. Ahmadinedjat ist zwar eine Dumpfbacke und nicht so feingeistig wie Khatami. Aber eine Atombombe wird dort mit Sicherheit genauso wenig gebaut wie im Irak.
Korea hat gerade einen Atomversuch unternommen. Es zählt auch laut amerikanischer Aussage zur "Achse des Bösen". Aber Korea verleitet nicht zu wirtschaftlichen Interessen.
Wir müssen uns klarwerden, dass Kriege in erster Linie aus wirtschaftlichen Interessen geführt werden. Aus keinem anderen Grund.
Mein Gott, habe ich wieder viel gequasselt. Bitte nochmals um aber für mich ist das alles so Ich leide da so richtig mit.
Liebe Grüße

Myrachoja Offline




Beiträge: 2.981

12.10.2006 09:51
#7 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Ich kann Dich gut verstehen, Aramesh. Man könnte wirklich mitunter verzweifeln ob all dem, was auf unserer Welt gedreht, manipunliert, ausgebeutet etc wird. Für mich das Schlimmste: all dies geschieht stets unter einem ebenso scheinheiligen wie fadenscheinigen Deckmäntelchen.
Man könnte Seiten um Seiten füllen damit - und daran verzweifen. Aber damit nützen wir niemandem.
Also öffne ich jetzt das Fenster, sehe, wie sich der herbstliche Morgennebel gerade aufzulösen beginnt und die durchbrechende Sonne die gelben Blätter an den Bäumen vor meinem Fester golden aufleuchten lässt ... und ich lege dieses winzige Stück Freude und Danbarkeit in die Waagschale des Schönen und Guten. Sie wird sich deshalb nicht merklich senken, ich weiss. Aber wenn sich zu meiner Freude auch Deine und noch viele andere Freuden gesellen, bleiben die beiden Schalen immerhin in Bewegung, hoffe ich wenigstens - und füge diese Hoffnung gleich auch noch dazu.





und für Dich ein dickes

Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

12.10.2006 11:25
#8 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Ja, das hast Du schön ausgedrückt Myrachoja,

wir dürfen über den großen Dingen, die mit uns geschehen, nicht die kleinen Dinge vergessen, auf die wir selber Einfluss haben, unser Leben licht und lebenswert zu gestalten.
Wenn man unmittelbar betroffen ist, fällt das mitunter nicht leicht. Aber ich stimme Dir zu, es ist der richtige Weg.

Ganz liebe Grüße
Aramesh

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

12.10.2006 11:52
#9 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

hallo ihr lieben,
ich frage mich manchmal, warum wir so wenig positives aus anderen ländern hören? z.b. das zweidrittel aller studenten im iran frauen sind? oder über die kultur ansich? ich selbst bin ein absoluter fan der iranischen musik. würde gern die sprache erlernen, hatte aber bisher nicht die gelegenheit dazu. wer etwas über die iraner lernen möchte, sollte mal auf eines ihrer neujahrsfeste gehen oder die persische küche ausprobieren.
essen,trinken und musik verbindet die menschen viel mehr miteinander als bomben und sanktionen.
salam alaikum

Myrachoja Offline




Beiträge: 2.981

12.10.2006 11:57
#10 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Für aramesh

*Flügelchennachtragschnellwiederankleb*


[ Editiert von Administrator Myrachoja am 12.10.06 12:00 ]

Myrachoja Offline




Beiträge: 2.981

12.10.2006 12:02
#11 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Wanderfalkin, Du hast ja soooooo recht!



Wann feiern die Iraner Neujahr?

Gast ( gelöscht )
Beiträge:

12.10.2006 12:29
#12 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

wir würden wohl frühlingsanfang dazu sagen. hab hier mal eine seite bei google gesucht: http://www.vii.at/TAWAN/NOWRUZ_Internet_de.htm
nur als beispiel. da zeigt sich die wirkliche iranische kultur.

Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

12.10.2006 16:09
#13 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Ihr Lieben,

Kleine Einführung: Im Iran feiert man Neujahr immer mit Frühlingsbeginn. Da wir nach dem Sonnenjahr gehen, fällt die Uhrzeit immer unterschiedlich aus. Das Fest stammt ursprünglich aus der Zeit Ahura Mazdas (Zarathustras), des alten Glaubens vor der Islamisierung Irans.

Eine Woche vor Neujahr springen wir über die Feuer um uns innerlich zu reinigen. Die Flamme ist ja zweifarbig und somit werden ihr auch zwei Eigenschaften nachgesagt.Die Farbe gelb symbolisiert das Schlechte, die Farbe rot das Gute. Darum spricht man, wenn man über das Feuer springt: "Das Gelbe aus mir, das Rote zu mir".

Zu Norouz breitet man ein Sofreh aus (ein Tuch) auf das man sieben Sachen mit dem Buchstaben "S" stellt, die für das neue Jahr Glück bringen, als das sind Apfel (sib), Knoblauch (siir), Sumak, Senjan (kann ich nicht übersetzen - Gewürze), Essig (seke), Kräuter (ssabsi), Münzen (Serke). Die Kräuter (ssabsi) werden aus Kernen einen Monat vorher selbst gezogen. Auf dem Tisch befindet sich ein kleiner Standspiegel, rechts und links ein Leuchter (symbolisiert Reinheit) und jetzt auch ein aufgeschlagener Koran (Glauben) und unbedingt ein Glas mit Goldfischen. Früher hat man das als "Uhr" benutzt. Man sagte, wenn die Fische tanzen, dann ist Neujahr! Im Koran versteckt man Geldscheine, die später am Abend nach dem Essen (man isst Fisch mit Reis - Mahi-Polo) der älteste an die Kinder verteilt. Die ganze Familie von Großeltern bis Enkelkind sitzen zusammen und tragen neue schöne Kleidung.

Unser Norouz dauert 13 Tage, weil man sich gegenseitig besucht. Dabei muss man darauf achten, dass man zuerst die ältesten Verwandten oder Freunde aufsucht. Das heißt Achtung vor dem Alter.

Am 13. Tag ist viel los auf den Straßen im Iran. Das ist nämlich allgemeiner Picknicktag. Alle wollen ein schönes Picknick machen in der Natur. Die Kräuter vom Norouz-Tisch nimmt man mit. Man muss darauf achten, dass man in der Nähe vom Wasser picknickt, weil man zum Schluss die Kräuter dem Wasser übergibt mit den geheimsten Wünschen.
Junge Mädchen wandern über die Wiesen und verknoten Grashalme miteinander. Das symbolisiert einen Ehewunsch, den liebsten Menschen bald zu finden.

So jetzt muss ich los. Oh man, habe mal wieder ganz schön viel geschwätzt. Hoffe, es interessiert euch.

Khoda Hafez (Persisch: Auf Wiedersehen)
Aramesh

Myrachoja Offline




Beiträge: 2.981

12.10.2006 16:28
#14 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten



Gemini Offline




Beiträge: 11.570

12.10.2006 17:25
#15 RE: Krieg in der Wüste - oder so antworten

Dankeschön, ist sehr interessant. Ich hatte mich schon über das Goldfischglas gewundert, als ich dem link vom freundlichen Gast mit der Zauberfee nachgegangen bin

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