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Dieses Thema hat 39 Antworten
und wurde 1.564 mal aufgerufen
 Fremde Länder und Kulturen
Seiten 1 | 2 | 3
mande ( gelöscht )
Beiträge:

10.10.2006 08:27
#16 RE: Interesse? antworten

Einen schönen guten Morgen allerseits,

Hallo Annett,
ja, das wäre schön, wenn du fragen könntest.

mit lieben Grüssen,
Mande

mande ( gelöscht )
Beiträge:

10.10.2006 18:10
#17 RE: Interesse? antworten

Ich weiss nicht, in wie weit dies interessant ist. Doch da ich ja Grafik mache und auch selbst diese drucke , habe ich dieses hier, als ein Anfang über Japan, eingestellt

Geschichte der japanischen Druckkunst
Die Wurzeln der japanischen Druckkunst liegen in China. China hatte das Papier und Techniken zur Vervielfältigung von Text und Bildern mehrere Jahrhunderte vor den Europäern erfunden.
Frühe Dokumente wurden auf Rollen geschrieben. Wie in Europa auch, sind diese frühen Bücher zumeist religiöser Natur. Schreiben, Veröffentlichen und Lesen war den Mönchen und Priestern vorbehalten.
Der grosse Aufschwung für japanische Bücher und die Druckkunst im allgemeinen, kam während der Edo Epoche (1603-1868). Romane und Bilderbücher wurden beliebt - nicht zu vergessen die Shungha Bücher mit ihren deutlichen und überdeutlichen erotischen Abbildungen.
Der nächste Boom für das japanische Verlagswesen kam mit der Meiji Epoche, die durch die Öffnung der japanischen Gesellschaft und Wirtschaft zum Westen geprägt war. Im Jahr 1872 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Nach und nach traten grössere Teile der Bevölkerung aus der Dunkelheit des Analphabetentums. Romane über Liebe und Familiengeschichten waren vor allem bei Frauen beliebt. Wir würden heute von Groschenromanen sprechen. Da sich die durchschnittliche japanische Hausfrau Bücher nur selten leisten konnte, spriessten bald in allen japanischen Städten Läden aus dem Boden, in denen man sich Bücher gegen Geld ausleihen konnte.
Die Drucktechniken

Die Techniken zur Herstellung von Büchern waren die gleichen, die für Einzelblätter von Farbholzschnitten verwendet wurden. Jede Seite wurde in einen Holzblock geschnitzt und gedruckt indem der Block mit Tinte eingerieben und ein Blatt Papier dagegen gepresst wurde. Für Mehrfarbendruck benötigte man mehrere Blöcke - einen für jede Farbe.
Während der Meiji Epoche verdrängten westliche lithographische und photomechanische Verfahren nach und nach das alte Holzblock-Verfahren.
Die Materialien
Bei den Materialien sind vor allem das Papier und die Farben erwähnenswert. Während in den westlichen Kulturen das Papier aus Lumpen und Holzmehl hergestellt wird, wird das japanische Papier aus dem Holz des Maulbeerbaums gewonnen. Dafür gibt es hunderte von verschiedenen Variationen und Bezeichnungen. Der Oberbegriff für alle japanischen Papiersorten ist Washi.
Washi ist das Ergebnis eines arbeitsintensiven Vorgangs. Das japanische Papier ist dem westlichen in Haltbarkeit und Reinheit überlegen.
Die Japaner benutzten bis ungefähr 1860 Pflanzenfarben, die dann von Anilinfarben ersetzt wurden. Die frühen Anilinfarben wurden aus Deutschland importiert und waren nicht sehr gut. Sie hatten die Tendenz "auszulaufen" - vor allem das Rot. Pflanzenfarben haben dagegen den Nachteil, dass sie im Laufe der Zeit verblassen.

Teamarbeit
Ein E-hon Buch war das Ergebnis des gleichen Teams von geschulten Personen, die wir von der Produktion der japanischen Farbholzschnitte kennen - der Verleger, der Künstler, der Blockschnitzer, der Drucker und zusätzlich noch der Schriftsteller.
Hon und Cho
Die Mehrheit der japanischen Bücher wurde im "Nähverfahren" hergestellt. Die einzelnen Blätter wurden am Vorderrand gefaltet und mit einem Faden zusammengehalten, der durch vier oder fünf Heftlöcher durchgeführt wurde.
Die erste Seite eines japanischen Buches ist das, was Menschen aus westlichen Zivilisationen für die letzte Seite halten würden. Legen Sie das E-hon mit den Heftlöchern auf der rechten Seite hin und sie haben quasi den Buchdeckel oben! Texte werden nicht von links nach rechts, sondern reihenweise von oben nach unten gelesen.
Ein anderes Format japanischer Bücher ist die Ziehharmonika- Struktur. Dabei gibt es auch wieder verschiedene Variationen. Im westlichen Sprachgebrauch hat sich dafür der Ausdruck Album durchgesetzt - vielleicht weil es das bevorzugte Format für Bilderbücher ohne oder mit sehr wenig Text war. Die Japaner nennen dieses Format Cho.

Zum Abschluss ein Zengedicht:



Zen-Dialog in einem Traum

Ich war zum Betteln in der Stadt,
als ich einen alten Heiligen traf:

"Mönch, warum lebst du
in den wolkenverhangenen Bergen?"

Ich entgegnete:
"Alter Mann, warum bleibst du
an diesem staubigen Ort?"

Beide wollten wir antworten,
und doch sprach keiner von uns.

Dann zersprang mein Traum
mit dem Klang der Tempelglocke.

Mande

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

11.10.2006 12:45
#18 RE: Interesse? antworten

wo gibt es denn in deutschland japanische orte? gärten tempel oder ähnliches. kann mir da jemand tipps geben? ich bin total begeistert von den zengärten. soviel ruhe

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

11.10.2006 12:48
#19 RE: Interesse? antworten

mande ( gelöscht )
Beiträge:

11.10.2006 14:15
#20 RE: Interesse? antworten

Im Erkennen und Begreifen, liegt das Wesentliche eines Zengartens. Erst durch das Verstehen, wird er vollkommen.


Eine Fabel erzählt von einem alten Teemeister in Japan. Er hatte einen Garten geschaffen für seinen Freund, der am Meer lebte. Diesen Garten umgab eine hohe Hecke. Sie verwehrte den beiden einen Blick auf das Wasser. Sein Freund aber war unglücklich, weil er sein geliebtes Meer nicht mehr sehen konnte.
Eines Tages – er wandelte gerade durch seinen Garten– ging er zum Wasserbecken, um seine Hände zu waschen. Als er sich zum Becken nieder bückte, entdeckte er einen Spalt in der Hecke und gewahrte das tosende Meer.
Da erkannte er die Absicht in der Gestaltung des Gartens: Der Teemeister wollte seinen Geist anspornen. Er hatte eine Verbindung zwischen dem Wasser im Becken und dem großen Ozean entdeckt. Und damit auch die Beziehung zwischen sich und dem unbegrenzten Universum erkannt.


Es sind, für mich jedenfalls, die Augenblicke, welche Dauer verleihen. Wie das herunterfallende Blatt vom Baum, das Schlagen des Wasser an einen Stein und hier, der kleine Spalt durch eine Hecke.

Mit freundlichen Zengrüssen
Mande

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

11.10.2006 14:33
#21 RE: Interesse? antworten

schöne geschichte
Auch wenn der Ort,
an dem wir die Versenkung üben,
sehr klein ist,
enthält er doch das ganze Universum.
Auch wenn unser Geist begrenzt ist,
erfüllt er doch
die Grenzenlosigkeit.

mande ( gelöscht )
Beiträge:

11.10.2006 16:02
#22 RE: Interesse? antworten

Zitat

Auch wenn der Ort,
an dem wir die Versenkung üben,
sehr klein ist,
enthält er doch das ganze Universum.
Auch wenn unser Geist begrenzt ist,
erfüllt er doch
die Grenzenlosigkeit.


Nun, liebe Wanderfalkin,
besser kann man es nicht sagen.

Mit freundlichen Zengrüssen,
Mande

Mein Herz ist ein Garten, in dem Blume und Unkraut, Vogel und Wurm, zu Hause sind

mande ( gelöscht )
Beiträge:

12.10.2006 12:58
#23 RE: Interesse? antworten

Eine Zengeschichte, entdeckt im Internet.

Ein Professor wanderte weit in die Berge, um einen berühmten Zen-Mönch zu besuchen. Als der Professor ihn gefunden hatte, stellte er sich höflich vor, nannte alle seine akademischen Titel und bat um Belehrung. 'Möchten Sie Tee?' fragte der Mönch. Ja, gern, sagte der Professor. Der alte Mönch schenkte Tee ein. Die Tasse war voll, aber der Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloß und über den Tisch auf den Boden tropfte. 'Genug! rief der Professor'. Sehen Sie nicht, daß die Tasse schon voll ist? Es geht nichts mehr hinein. Der Mönch antwortete: Genau wie diese Tasse sind auch Sie voll von Ihrem Wissen und Ihren Vorurteilen. Um Neues zu lernen, müssen Sie erst Ihre Tasse leeren.

Hier haben wir es mit einer Zengeschichte zu tuen, wie sie nach meiner Meinung nicht sein sollte. Sie ist modern/kalt erzählt. Und wir haben es hier mit einem Zenmönch zu schaffen, der ´viel´ spricht, und vor allen Dingen belehrend. Ich habe hier das Gefühl, dass es von einem Nichtjapaner konstruiert wurde.
Und da der Mönch als ´alt´ uns vorgestellt wird, scheint er im Laufe seines Zenmönchsdasein doch nur wenig ´gelernt´ zu haben.
Wenn ein Zenmönch ´belehrt´, dann mit seinem Sein und nicht mit dem Schein seiner Worte.
Natürlich ist dies nur meine Sicht, dargelegt mit dem was ich mir unter Zen vorstelle. Erklären kann ich Zen sowieso nicht.

Mit freundlichen Zengrüssen,
Mande

[ Editiert von Administrator mande am 12.10.06 16:28 ]

[ Editiert von Administrator mande am 12.10.06 16:30 ]

Annett S ( gelöscht )
Beiträge:

17.10.2006 00:01
#24 RE: Interesse? antworten

Hallole,

endlich habe ich die Zeit gefunden, wieder hier herein zu schauen. Ich finde es toll, wieviel zusammengekommen ist!

Ja Mande, die Erfahrung Zen nicht erklären zu können, habe ich auch schon gemacht. Für mich ist es manchmal total gegensätzlich und dann paßt doch wieder alles zusammen. Ich habe es aufgegeben, es für mich erklären zu wollen. Ich nehme es einfach so, wie es ist und denke nicht weiter drüber nach. Vielleicht ist es ja die Versunkenheit ins Tun oder die Schnelligkeit beim Autofahren. Konfuss und doch irgendwo ein Sinn!

LG
Annett

Wanderfalkin Offline




Beiträge: 1.166

17.10.2006 11:27
#25 RE: Interesse? antworten

hallo zenfreunde,
ich glaube gar nicht mal, daß diese geschichte von einem nichtjapaner stammt. es ist wohl eine sehr alte geschichte und hier vielleicht nicht ganz passend wieder gegeben.
Zen und Tee- gleicher Geschmack.
Ruhe, Konzentration
aus ZA-ZEM-Die Praxis des Zen von Taisen Deshimaru-Roshi

mande ( gelöscht )
Beiträge:

17.10.2006 14:37
#26 RE: Interesse? antworten

Hallo Wanderfalkin,
wo bist du jetzt?

Nun zu deiner Bemerkung, dass die Geschichte doch von einem Japaner erzählt sein könnte. Natürlich ist es möglich. Auch Japaner erzählen in verschiedenen Qualitätsstufen.
Ich fand die Geschichte nur halt belehrend, und sie wirkte, wie schon gesagt, modern/kalt.
Frage jetzt nicht, was ich mit modern/kalt meine, liebe Wanderfalkin. Ich befürchte, ich müsste einen Roman schreiben, ohne mich verständlich machen zu können. Hier spricht nur das Gefühl, welches sich nicht immer in Worten ausdrücken lässt. Ebensowenig wie die Bedeutung des Zens.

Wünsche dir noch einen schönen Flug,
Mande

mande ( gelöscht )
Beiträge:

23.10.2006 16:22
#27 RE: Interesse? antworten

Versenke dich in die Meditation. Doch versinke nicht darin!

Mande

mande ( gelöscht )
Beiträge:

24.10.2006 16:46
#28 RE: Interesse? antworten

Hier ist meine Lieblingszengeschichte

Milarepa hatte überall nach Erleuchtung gesucht, aber nirgends eine Antwort gefunden, bis er eines Tages einen alten Mann langsam einen Bergfpad herabsteigen sah, der einen schweren Sack auf der Schulter trug. Milarepa wußte augenblicklich, daß dieser alte Mann das Geheimnis kannte, nach dem er so viele Jahre verzweifelt gesucht hatte.
»Alter, sage mir bitte, was du weißt. Was ist Erleuchtung?« Der alte Mann sah ihn lächelnd an, dann ließ er seine schwere Last von der Schulter gleiten und richtete sich auf.
»Ja, ich sehe!« rief Milarepa. Meinen ewigen Dank! Aber bitte erlaube mir noch eine Frage: Was kommt nach der Erleuchtung? Abermals lächelte der Mann, bückte sich und hob seinen schweren Sack wieder auf. Er legte ihn sich auf die Schulter, rückte die Last zurecht und ging seines Weges.

Mit freundlichen Grüssen,

Mande

mande ( gelöscht )
Beiträge:

27.10.2006 19:12
#29 RE: Interesse? antworten

Zum Abendgruss ein Gedicht von Dogen


Dieses, unser Leben,

wem kann ich es vergleichen?

Dem Spiegelbild

Des Mondes in einem Tropfen Tau

Glitzernd am Schnabel der Wildente.


Mit Grüssen,
Mande

Annett S ( gelöscht )
Beiträge:

27.10.2006 20:33
#30 RE: Interesse? antworten

Hallo Guten Abend,



auch hier ein kleiner Abendgruß, von einer Japanerin aus Fukuoka geschrieben:

Leben und Sterben
Sterben und Leben
ein Windhauch geht vorüber
es regnet

LG
Annett schöne Träume

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