Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 2.502 mal aufgerufen
 Buchbesprechungen
Gemini Offline




Beiträge: 11.570

11.06.2007 07:07
RE: Die Nachtvögel -Tormod Haugen antworten

eigentlich will ich nicht auf dieses Buch aufmerksam machen, ich möchte es eher als Diskussionsgrundlage wissen.
Ich las das gerade, ist ein Kinderbuch, für Leser ab 10 Jahren gedacht.
Der norwegische Autor ist ein erfahrender Autor, hat eine Bilderbuchautorenentwicklung gemacht,studierte Deutsch, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft. 1973 erschien sein erstes Buch; hat seitdem 19 Romane geschrieben, die in 21 Sprachen übersetzt wurden.
Für das Buch, dass ich Euch vorstellen möchte, gab es einen norwegischen Literaturpreis und den Deutschen Jugendliteraturpreis- in welchem Jahr, gelingt mir grade nicht, herauszubekommen.
Jedenfalls wird der Autor wegen seines knappen epischen Stils gelobt, aber genau das ist es, was mir beim lesen manchmal grauslich vorkam. Der Inhalt der Erzählung ist stark, aber ich weiß nicht, ob der Übersetzer da wirklich gute Arbeit geleistet hat...
Scheint ja mein Problem zu sein, wurde schließlich preisgekrönt.
Ich schreib Euch mal ein Kapitl ab, damit ihr lesen könnt, was ich meine...

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

Revee ( gelöscht )
Beiträge:

11.06.2007 09:02
#2 RE: Die Nachtvögel -Tormod Haugen antworten

Ja, das würde mich interessieren. Grade nach dem "Problem", das Du beschreibst ...

Lieber Gruß,
Lionne

Gemini Offline




Beiträge: 11.570

12.06.2007 07:53
#3 RE: Die Nachtvögel -Tormod Haugen antworten

ich schreibe mal das erste Kapitel ab, den Teil, den ich abgeschrieben habe, stelle ich schon mal ein...


1

An dem abgeschabten, bräunlichen Fleck auf der vierten Stufe vorbeischleichen und sagen: >Lorum, lirum, rei, ich bin frei!> Den Atem bis zum ersten Absatz anhalten, dort, wo die Treppe einen Bogen macht. Da hatte der Fleck keine Macht mehr.
Sich ducken vor der gefährlichen Tür mit dem gefährlichen Guckloch.
Einem Auge.
Einem großen, strahlenden, starrenden Auge, das niemals blinzelt. Das nur schaut und schaut und schaut. Das alle ansieht, die vorbeigehen.
Hexenauge.
Eines Tages wird plötzlich die Tür aufgerissen werden und dann wird er nicht vorbeikommen. Dann wird eine Stimme rufen:> Lorum, lirum, rei, du bist mein!<
Dann wird die Hexe Frau Andersen nach ihm greifen, ihn hinein in den Flur ziehen und ihn in einen Käfig sperren. In einen engen Käfig. In dem muss er bleiben, bis er ein alter Mann geworden ist mit weißem Haar und weißem Bart, mit einem Stock und mit Ischias, wie Opa.
Das sagt Sara.
Rasch weiter die Stufen hinauf, um die Kurve. Bloß kein Geräusch machen. Im zweiten Stock kann er erleichtert ausatmen, sich übers Geländer lehnen und von oben auf die Tür der Hexe Frau Andersen blicken.
Jedes Mal, wenn er hinaufging, musste er von hier aus hinunterschauen. Er konnte es einfach nicht lassen. Manchmal musste er etwas sagen, ja sogar rufen. Einmal hatte er irgendeinen Unsinn so laut geschrien, dass Karlsen aus dem zweiten Stock herausgestürzt kam und glaubte, dass was passiert sei.
Er hatte ganz vergessen, dass andere ihn hören konnten. Vor Karlsen fürchtete er sich. Der hatte so dichte Augenbrauen, die zusammengebürstet waren und wie ein verschlissener Besen aussahen. Und dazu hatte Karlsen eine gefährliche, donnernde Stimme.
Früher hatte er Karlsen für Gott gehalten.
Sara hatte das behauptet, aber Mama meinte, das könne nicht stimmen.
Neben Karlsen wohnten die Unheimlichen. Vor denen hatte er Angst.
Auf dem Schild an der Tür stand >Skogli<, aber es wohnte niemand dort. Jedenfalls hatte er noch nie jemanden herauskommen sehen.
Er wusste: Gleich hinter der Tür lauert etwas mit großen Ohren, riesigen, die an der Tür klebten. Etwas, das er nicht kannte. Etwas Großes, Schwarzes und Gefährliches mit riesigen Flatterohren.
Hinter der Tür war es ganz still, aber er begriff: Da musste etwas sein!
Mama war einmal unten bei Skogli gewesen. Da wurde ihm so bang, dass er aufs Klo musste. Er wollte ihr sagen, wie gefährlich es bei den Unheimlichen wäre, auch wenn die sich Skogli nannten. Aber er brachte kein Wort heraus. Sein Hals war wie zugeschnürt.
Mama kam nach einer Weile zurück und war kein bisschen anders als sonst. Sie hatte sich bei den Unheimlichen ein Buch ausgeliehen, das brachte sie mit. Ein ganz normales Buch ohne Unheimliches.
Wenn er sicher an dem braunen Fleck vorbei kam (das hatte er bisher immer geschafft) und dann an der Tür der Hexe Frau Andersen (auch das war ihm immer gelungen) und wenn er dann nicht von Karlsen aufgehalten wurde, musste er sich ganz dicht vor die Tür der Unheimlichen stellen.
Eigentlich wollte er vorbeilaufen, aber statt dessen ging er jedes Mal langsamer. Obwohl er sich dermaßen fürchtete, dass sein Herzschlag als Echo im Treppenhaus zu hören war, musste er doch dicht an die Tür herangehen und sein Ohr daranhalten. Und dann- noch ehe die Tür aufgehen konnte und die Flatterohren zum Vorschein kamen- lief er ins nächste Stockwerk hinauf, so schnell er konnte. Dort war er sicher, denn dort war seine eigene Wohnungstür.
>Mo<, stand auf dem Schild: Tor Erik, Linda und Joachim Mo.

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

zaza Offline




Beiträge: 13.233

12.06.2007 12:48
#4 RE: Die Nachtvögel -Tormod Haugen antworten

Und das soll ein Kinderbuch sein

Da gruselt es mich ja als Erwachsener schon nach den ersten 10 Zeilen

Lieb Gruß

Gemini Offline




Beiträge: 11.570

12.06.2007 14:17
#5 RE: Die Nachtvögel -Tormod Haugen antworten

Das Buch selbst, die Geschichte, ist total gut, spannend und traurig.

Nur eben mit der Sprache, mit dem Satzbau kann ich mich nicht richtig anfreunden. Klar, da ich lese-sprechgeschult bin, kann ich das dann mittels Stimme so gestalten, dass dem Hörer das alles gut vorkommt. Aber eigentlich wird das vom Leser ja im stillen Kämmerlein genossen und für stilles Lesen finde ich das geradezu unschön.
Es ist so gestaltet, dass wir in den Gedanken des Jungen Johannes stecken sollen und die Person des Erzählers soweit möglich, zurückgenommen ist, aber da stört es mich dann, wenn von dem Jungen Johannes in der dritten Person geschrieben wird, wärend ich in seinen Gedanken steckte. Die Sätze sollen wohl auf Joachims Sprachvermögen abzielen und sind deshalb so unvollkommen. Aber dafür ist mir die Trennung zwischen Erzählung und Gedanken einfach zu ungewiß beim lesen.

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

 Sprung  
Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen