Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 551 mal aufgerufen
 Lustiger Marktplatz mit eigenem Springbrunnen
Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

08.01.2007 14:40
RE: Unsere lieben Tiere (2 kleine KG) antworten

Liebe Holy, hier also Letztes. . .

Hab’ Geduld

Zu meinem sechsten Geburtstag hatte ich mir sehnlichst ein Fasanenpaar inklusive Außenvoliere gewünscht, so wie es unser entfernter Nachbar, die Tischlerei Kiewel, besaß. Doch Vater meinte beschwörend: „Du bist noch zu jung dafür. Also hab’ noch ein wenig Geduld.“

Inzwischen stand ich kurz vor meinem zehnten Geburtstag und war immer noch fasanenlos, hatte mich aber all die Jahre des Wartens darüber hinweggetröstet, indem ich mir eine ansehnliche Sammlung von Federn heimischer Vögel anlegte. Die Federn fand ich auf meinen ungezählten Streifzügen durch Wald und Wiesen, die mein Elternhaus, einen alten Aussiedlerbauernhof, umgeben.

Aber ausgerechnet die herrliche Schwanzfeder von einem Fasanenhahn fehlte mir noch, und mich packte der Ehrgeiz, die Sammlung bis zu meinem anstehenden Geburtstag zu vervollständigen. Doch wie sollte ich in zwei Tagen zu so einer Feder kommen?

Vater war abends immer in seiner Werkstatt und machte irgendwelche Holzarbeiten. Wie üblich vor meinem Geburtstag durfte ich auch diesmal nicht in die Werkstatt schauen. Sicher bastelte er mir irgendein Spielzeug oder wieder ein Holzgewehr, wie im letzten Jahr.

Tags darauf besuchte ich Tischlermeister Kiewel. Zweimal die Woche ließ er mich in seinen Garten zu der Außenvoliere mit dem schönen Fasanenpaar. Ich hörte Herrn Kiewel mit seinen Lehrlingen schimpfen: „Ihr Löffeljuden, ihr unnützes Pack!“ Er war ein mittelgroßer Mann, dick und energisch, mit einem breiten, vor Erregung stets gerötetem Gesicht.

Mir gegenüber verhielt er sich aber jedes Mal freundlich. Ich wollte ja auch nur seine Prachtvögel bewundern. Und je länger ich den schillernden Hahn betrachtete, je stärker wuchs in mir das Begehren nach so einer Schwanzfeder.

Ich radelte heim. Im Hausflur auf der Garderobenanlage fiel mir sofort dieser Hut auf, und an ihm steckte wahrhaftig das Objekt meiner Begierde, eine wundervolle Schwanzfeder eines Fasanenhahns. Der Hut gehörte Tante Elfriede, die extra zu meinem Geburtstag von weither angereist war. Am liebsten hätte ich die Feder sofort in meinen Besitz gebracht, aber man hätte mich sogleich als Täter entlarvt. Und mein Verlangen nach so einer Feder wurde nur noch unerträglicher.

Es gab nur eine Möglichkeit. Kiewel und seine Frau gingen freitags abends immer außer Haus. Es war Freitagabend und ich schlich mich zu ihrer Außenvoliere und hatte Glück, denn der Fasanenhahn lag dicht am Drahtgeflecht. Ich näherte mich vorsichtig und redete beruhigend auf ihn ein. Er rührte sich nicht. Unvermittelt sprang ich direkt vor den Käfig und packte den Vogel an den drei Schwanzfedern, die ein kurzes Stück durchs Drahtgeflecht lugten. Ich wollte ihn nur um eine Schwanzfeder erleichtern.

Aber der Hahn schlug wild mit den Flügeln, sprang ungestüm hin und her und pickte wütend nach meiner Hand. Schon drohte er mir aus den Fingern zu gleiten, da fasste ich schnell mit der linken Hand kräftig nach und zog den Hahn so nah an den Zaun heran, um das ganze Büschel seiner Schwanzfedern in den Griff zu bekommen. Die meisten Federn knickten in meiner Faust und wurden vom scharfkantigen Maschendraht zerfranst. Mit meiner Rechten versuchte ich dann, eine Schwanzfeder der rechten Seite herauszuziehen, die den Kampf bis dahin unversehrt überstanden hatte. Ich wollte sie dem Vogel mit einem Ruck ausrupfen, aber die Spitze riss ab.

Nur ein kleineres Exemplar, ganz am Rand des Schwanzes, ließ noch einmal Hoffnung in mir aufkeimen. Tatsächlich schaffte ich es, sie dem Tier auszureißen. Aber als ich sie genauer untersuchte, entdeckte ich eine kahle Stelle am unteren Kielende. Wütend zerknüllte ich die Feder und warf sie zu den anderen auf den Boden.

Erst jetzt erwachte ich, erst jetzt wurde mir bewusst, welch sinnlose und zugleich grausame Tat ich begangen hatte. Weinend, von Gram und Verzweiflung überwältigt, hastete ich nach Hause.

Als ich an meinem Geburtstag von der Schule kam, sah ich ihn schon von weitem. Herr Kiewel stand an der Straße vor seiner Hofauffahrt. Kein Zweifel, er erwartete mich schon. Die Hände hatte er bedrohlich in die Hüften gestemmt, der Schädel leuchtete rot, aber das tat er ja immer.

Zuerst wollte ich umdrehen, einen Umweg wählen. Aber was würde mir das schon nützen. Er würde meine Eltern aufsuchen, und alles wäre nur noch schlimmer, also fügte ich mich lieber sofort in mein Schicksal. Ich fuhr langsam mit meinem Fahrrad an ihn heran. Meinen Kopf hielt ich reumütig gesenkt. Aber die erwarteten Ohrfeigen blieben aus. Herr Kiewel lächelte mir gutmütig zu, reichte mir seine Hand und gratulierte mir zum Geburtstag. Er sagte: „Dein Vater hat eine tolle Überraschung für dich.“

Ich war trotz seiner Freundlichkeit nicht gerade fröhlicher. Sicher war er noch nicht bei den Fasanen gewesen, und mein Unheil stand mir so noch bevor, oder er verdächtigte mich ganz einfach nicht.

Zuhause wurde ich schon draußen auf dem Hof von Tante Elfriede mit allerlei Geschenkpaketen empfangen. Und in der Hand hielt sie den Hut mit der Feder daran. Sie sagte: „Den schenk’ ich dir. Mutter hat mir von deiner Federsammlung erzählt. So kannst du sie endlich vervollständigen. Und ich wollte mir sowieso einen anderen Hut kaufen. Aber nun geh’ mal zu Vater in den Garten.“

Ich lief geschwind in den Garten. Vater stand vor einer super konstruierten Außenvoliere. Doch als ich hineinschaute, bekam ich einen Riesenschreck. Da war ein total zerzauster Fasanenhahn mit seiner Henne drin. Vater gratulierte mich: „Ja Junge, das ist für dich. Du hast dir ja immer Fasanen gewünscht. Und ich denk’, jetzt bist du alt genug, sich um sie zu kümmern. Leider ist der Hahn arg ramponiert. Da müssen wohl Marder am Werk gewesen sein. Aber das ist ja eine Art höhere Gewalt. Und so kann ich den Kauf von Kiewel natürlich nicht mehr rückgängig machen.“

Vater sagte dann noch: „Hab’ nur ein wenig Geduld, der Hahn wird schon wieder werden.“ Als Trost blieb mir bis dahin wieder einmal meine Federsammlung einheimischer Vögel, die endlich komplett war.

*

Ruhestörung aus Not

Seit zwei Jahren besaß ich meinen Graupapageien Kalli. Und stets hatte der sich in der Zeit nach Mittag ruhig verhalten. Dann plötzlich die Katastrophe, ein furchtbares Gekreische. Ich sprang aus dem Bett und hastete in den Garten zur Voliere.

Kalli linste äußerst erregt zur Terrasse der Müllers. Dort stand der Vogelkäfig mit dem Wellensittich Pieps, der ebenfalls zeterte. Vor drei Jahren war sein Vorgänger von einem unbekannten, streunenden Kater verspeist worden. Die Müllers hatten sich gleich danach Pieps angeschafft, trauten sich aber erst jetzt, ihn herauszustellen, an diesen wunderbaren Platz zwischen all den blühenden Pflanzen.

Ich ermahnte Kalli: „Halt endlich den Schnabel. Du weckst ja die ganze Nachbarschaft auf. Hast du etwas gegen Pieps? So eine halbe Portion ist doch keine Konkurrenz für dich. Also reiß dich zusammen!“ Aber Kalli hörte nicht auf mit dem Radau. Auch der Foxterrier Schnauz von Frau Krawutke gegenüber stimmte in das Konzert mit ein und sprang ungestüm gegen sein Sicherheitsnetz, das am Balkon montiert war. Natürlich überstimmte mein Kalli sie alle. Das bemerkte auch Frau Krawutke, und sie stürzte prompt aus ihrer Seitentür auf mich zu. Ihre rotgefärbten Haare standen wie elektrisiert ab. Und dieser bauschige Mopp kam zunehmend ins Schwingen bei jedem ihrer kräftigen Schritte. Der Gartenzaun bremste schließlich diesen Fettleib im schäbigen Morgenmantel. Ihr Pfannkuchengesicht war blaurot angelaufen.
„Stellen Sie ihren dusseligen Papageien endlich ruhig. Meinen Schnauz hat er schon ganz verrückt gemacht.“
„Ihr blöder Köter hat meinen Kalli provoziert!“ Innerlich war ich mir aber nicht sicher, ob Kalli Pieps akzeptierte. Denn bevor der dastand war Kalli ruhig gewesen. Frau Krawutke drohte mit gerichtlichen Konsequenzen.

Dann am nächsten Tag das gleiche Theater zur gleichen Stunde. Ich flitzte hinaus und gab diesmal einen Schuss aus meiner Signalpistole ab. Danach herrschte Totenstille. Als tags darauf das Tohuwabohu sich wiederholte, entschloss ich mich, mit Kalli in die hiesige Kleintierarztpraxis zu einem Beratungsgespräch zu gehen. Zu meiner Überraschung traf ich Frau Krawutke im Wartezimmer. Ihr Foxterrier hatte sich vermutlich bei den hitzigen Sprüngen in das Sicherheitsnetz die linke Vorderpfote verletzt und hinkte leicht. Grimmig starrte die Krawutke auf Kalli, der friedlich in seiner Transportbox vor sich hin schnäbelte. Ich wehrte mich mit bösen Blicken, die ich auf Schnauz abfeuerte. Frau Krawutke war mit Schnauz vor mir an der Reihe und kam mit einer Packung und einer Salbendose aus dem Behandlungsraum. Die Packung war mir bekannt. Es handelte sich um ein Beruhigungsmittel.

Mir gab der Tierarzt auch ein spezielles Sedativum für Kalli. Eine halbe Stunde vor Anbruch der Mittagsruhezeit sollte ich es ihm verabreichen. Aber ich redete mir ein, dass Krawutkes Schnauz die neue Situation der Anwesenheit von Pieps in Panik versetzte und Kalli eben darauf reagiere. Vielleicht wollte er Pieps sogar in Schutz nehmen. Doch dies hielt der Tierarzt für unwahrscheinlich. Jedenfalls gab ich meinen Graupapageien keine Medizin. Es reichte doch, wenn Frau Krawutke Schnauz welche schlucken ließ.
Frau Krawutke musste auch so gedacht haben, nur mit dem umgekehrten Ergebnis, was den Tumult-Auslöser betrifft. Und mit unverminderter Lautstärke durchbrachen Schnauz und Kalli erneut die Mittagsruhe. Selbst Pieps machte sich deutlicher bemerkbar als sonst. Und es hörte sich an, als wenn in seiner Nähe irgendetwas umgestoßen wurde. Dann ein langer klagender Schrei.

Ich sprintete hinaus. Frau Krawutke kam mir schon auf ihrer Seite des Gartenzaunes laut fluchend entgegengaloppiert. Sie schwang ihre feisten Arme wie Keulen: „Ich werde Ihrem Kalli das Genick umdrehen. Denn jetzt ist endgültig die Schmerzgrenze erreicht.“
„Und ich werde Ihrem Schnauz das Fell abziehen!“

Plötzlich aber tauchte Frau Müller zwischen den Sträuchern auf. Na, noch eine, die sich beschweren will, glaubte ich. Doch sie lächelte: „Ich danke euch Nachbarn. Kalli und Schnauz haben meinen Pieps soeben das Leben gerettet. Bei ihrem Rabatz bin ich sofort nach draußen auf die Terrasse gerannt. In diesem Moment wollte ein riesiger Kater auf den Tisch springen. Dann sah er mich und rutschte vor Schreck ab. Das war sein Ende, denn er fiel in die Tonne mit dem vorbereiteten Flüssig-Mooskiller, mit dem ich heute noch meinen Steinplattenweg freiätzen will.“

„Ja“, erwiderte Frau Krawutke, und blinzelte mich ein wenig unterwürfig an: „Der Kater muss sich hier schon die letzten Tage herumgetrieben haben. Ich habe mir gleich gedacht, dass Kalli nicht ohne triftigen Grund Krach macht. So ein Papagei ist schließlich intelligent.“
„Naja“, brummte ich gelangweilt, ging ins Haus und bettete mich für einen tiefen, ruhigen Mittagsschlaf.

* * *

Viele Grüße und weiterhin alles Gute E.

Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

03.04.2007 20:13
#2 RE: Unsere lieben Tiere (2 kleine KG) antworten

Möchte noch eine kurze (Tier-)Geschichte hinzufügen:

Gift für Bonzo

Jan Mertens war zornig. Sollte er denn mit den Kakerlaken spielen, die sich hinter der Badewanne versteckt hielten? Seine Mutter konnte keine Zeit für so einen kleinen Jungen opfern, um mit ihm Sandburgen zu bauen; dafür hatte er Verständnis. Schließlich gab es für sie Wichtigeres zu tun. Und die Nachbarjungen wollten sich nicht mit ihm abgeben, weil sie älter waren als er. Auch dies akzeptierte Jan.

Aber dass seine kleine pausbäckige Nachbarin Maren Jürgens ihm keine Zeit mehr widmete, machte ihn rasend. Die beiden waren unzertrennlich gewesen, bis Maren einen Boxerrüden namens Bonzo geschenkt bekam. Seitdem drehte sich das Leben der rothaarigen, mit Sommersprossen gesegneten Maren nur noch um diesen Hund.

Vorgestern allerdings versprach sie Jan überraschend, am Montag endlich mal wieder mit ihm zu spielen. Mittlerweile war es Montag. Jan hatte sich die Stunden mit ihr herrlich ausgemalt. Doch sie sagte ab, denn sie musste für ihren Bonzo nötig Futter besorgen. „Immer dieser verflixte Köter!“ fluchte er. Sein rundes Gesicht verfärbte sich vor Wut so rot wie ein Pavianhintern. Er hatte endgültig genug. Die kurzgeschorenen blonden Borsten auf seinem Kopf sträubten sich. Das Blut kochte in seinen Adern wie das Wasser in einer Dampflok. Er flitzte ins Haus.

Seine Mutter hatte eingekauft. Allerlei Waren standen auf dem Küchentisch. Unter ihnen befand sich ein Glas, das Jan sofort auffiel. Der Deckel war mit einem Totenkopfzeichen bedruckt, dem Symbol für starkes Gift. „Genau das Richtige für Bonzo, diesen Schurken!“ grunzte er, griff sich das Glas, nahm einen Löffel von der Spüle und rannte in den Nachbargarten. Geschwind schaute er umher. Keiner war zu sehen, außer Bonzo, der vor seiner Hütte döste.

Jan füllte rasch den Inhalt des Glases in Bonzos Napf um. Seine Hände bebten vor Erregung. Der Hund stürzte sofort herbei und schleckte gierig. Schnell versenkte Jan das leere Glas im Gartenteich und eilte nach Hause zurück; schnürte ein kleines Bündel mit Unterwäsche und Brot zusammen, streifte den wetterfesten blaufarbenen Anorak über, klemmte Vaters Spazierstock unter den Arm und hastete davon, ohne dass seine Mutter etwas bemerkte.

Zunächst irrte er ziellos umher. Nach einer Weile kam er in einen Wald. Vor ihm tauchten gespenstisch die Überreste eines Lattenzaunes auf, daneben ein moosüberwuchertes Försterdenkmal. Jan hielt inne. Allmählich fasste er sich. Er legte sein Bündel auf den Boden. Deutlich spürte er die Last seiner grausamen Tat. Das schlechte Gewissen nagte an ihm, wie der Rost am Eisen. Er quälte sich mit Selbstvorwürfen.

Weinend murmelte er vor sich hin: „Sicherlich haben sie Bonzo längst tot aufgefunden, und die Polizei wird bereits nach mir fahnden.“ Er spähte unruhig umher. Da entdeckte er einen Wegweiser mit der Aufschrift: Zum alten Steinbruch. Betreten verboten. Lebensgefahr! Schon lange baute man hier kein Gestein mehr ab.

Dort wollte er sich verstecken. Keiner würde ihn jemals finden. Wie ein Besessener rannte er los. Er kroch in eine Felsspalte hinein. Dabei löste sich ein großer Steinbrocken und klemmte sein Bein ein. Jans Gesicht verzog sich vor Schmerzen. Gellende Hilferufe stieß er aus. Keiner hörte ihn. Er versuchte sich zu befreien. Aussichtslos!

Fünf Stunden verharrte er wohl so. Da sah er plötzlich ein Mädchen auf seinen Schlupfwinkel zulaufen. Er glaubte zu träumen. Sie sah aus wie Maren. Vor ihr an der Leine zerrte ein energiestrotzender Hund. Das konnte unmöglich Bonzo sein. Nein, die Schmerzen hatten ihn sicher verwirrt. Jans Erregung steigerte sich bis zum Siedepunkt. Er verlor das Bewusstsein.

Maren holte Hilfe. Man brachte Jan ins nahegelegene Krankenhaus. Sein Bein war gebrochen. Kaum war es eingegipst, da durfte er nach Hause. Irgendwann fragte ihn dann seine Mutter, wo das Glas geblieben wäre, was auf dem Küchentisch gestanden hatte. Jan schaute angstvoll drein. Keinen Ton brachte er `raus. Seine Mutter wunderte sich etwas. Sie fügte hinzu: „Ich hatte extra ein Glas Milchdrops von einer ganz neuen kleineren Sorte gekauft, die mit Schiffsflaggen-Aufklebern angeboten wurde. Und weil du so gerne einen Piraten mimst, nahm ich das Glas mit der Totenkopfflagge, dem „Jolly Roger“ darauf.

Jan war verblüfft und erleichtert zugleich. In seiner Aufregung hatte er die pillenförmigen Leckereien in dem Glas irrtümlich für Gift gehalten. Geistesgegenwärtig flunkerte er seiner Mutter vor, er müsse es im Steinbruch verloren haben. Kaum hatte er ausgeredet, da stürmten Maren und Bonzo zur Tür herein. Das Mädchen küsste und umarmte Jan. Sie freute sich, weil es ihm wieder sichtlich besser ging. Jan drückte Bonzo, seinen Retter, fest an sich und schwor in seinem Innern, nie wieder ein Leben zu gefährden.

Der Hund schaute Jan auf rührende Art bittend an. Offenbar hatte er Geschmack an den Milchdrops gefunden. Deshalb war er wohl den Spuren seines Gönners bis in den Steinbruch gefolgt.

*

Enibas Offline




Beiträge: 4.113

03.04.2007 23:53
#3 RE: Unsere lieben Tiere (2 kleine KG) antworten

Grüß Dich Enno,
dass ich Deine "Inspirationen" mag, hatte ich irgendwann schon einmal erwähnt.

Nach diesen Geschichten bekomme ich das Grinsen nicht mehr vom Gesicht, obwohl ich eigentlich viel zu selten lächle. Sehr gut geschrieben, mit allem was dazu gehört.

Schön! Ich danke Dir!

Sabine

Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

04.04.2007 16:45
#4 RE: Unsere lieben Tiere (2 kleine KG) antworten

Liebe Sabine,

ich freue mich besonders über Dein Schmunzeln und die Herzlichkeit, die aus Deinen Zeilen spricht, und auch ohne Spiegel weiß ich, dass Du mir damit ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hast.

Wünsche Dir und Deinen Lieben frohe Ostertage.

Bis irgendwann

Enno

Enno Ahrens ( gelöscht )
Beiträge:

27.04.2007 10:06
#5 RE: Unsere lieben Tiere (2 kleine KG) antworten

Ich möchte hier noch eine winzige Tier-Dialog-Geschichte dazu stellen.

Ich hatte einen Dialog zur Übung verfasst ohne inhaltliche Absicht, habe dann später ein paar Sätze hinzugefügt, um eine Geschichte draus zu machen. Ganz ungewohnt, denn so wurde sie praktisch von innen heraus entwickelt.

Der Pferdehasser

Unermüdlich, Tag für Tag, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, hatte er seinem Herrn gedient, bergauf und bergunter, immer im gleichen besonnenen Tritt. Aber die Welt um sie herum war unruhiger geworden. Das Leben wurde mehr und mehr rationalisiert und beschleunigt.
Und irgendwann brachte man ihn auf einen Tiergnadenhof. Gleich gesellte sich eine zartwüchsige französische Reitstute zu ihm und ergriff das Wort: „Oh Mieu, was für ein stattlicher Brauner. Aber darf ich mich erst einmal vorstellen. Ich h-eiße Mibell.“
„Jau, ich Franz.“
„Na Franz, sei nicht so traurig. Du wirst es h-ier gut h-aben.“
„Jau, edle Schwarze. Aber ich bin ziemlich frustriert. Meine Besitzerin wurde vom Leberkrebs gefressen. Sie hatte mich vor dem Schlachthof gerettet. Meinem alten Herrn war ich nicht mehr gut genug gewesen. Er konnte die Baumstämme nicht flink genug aus dem Wald gezogen kriegen. Einen forscheren Zossen hatte er sich zugelegt.“
„Mieu, das ist ja schrecklich. Und ich bin schon seit fünf Jahren h-ier, kurz nachdem mein Bein bei einem Ausritt gebrochen war. Und es war alles h-armonisch, bis dieser schwerbeh-inderte Pferdeh-asser in das neue Pflegeh-eim kam.“
„Es ist wohl das Gebäude gegenüber von unserer Wiese.“
„Mieu, du sagst es, und wir müssen uns vorsehen. Ach, und Franz, h-ast du mal wieder was von deinem ehemaligen H-erren geh-ört? Der wird es doch bestimmt bei seinem Ehrgeiz weit gebracht h-aben.“
„Jau, meine Edle, und vergessen wird er mich haben.“
„Mieu. Pass auf, dah-inten. Der Pferdeh-asser kommt.“
„Aber der sitzt doch brav in seinem Rollstuhl. Und eine Pflegerin ist auch dabei.“
„Franz, komm schnell. Lass uns ans andere Ende der Koppel gehen. Das mache ich immer so. Es ist besser.“
„Ich bleibe hier.“
„Das ihr Neuen so übermütig sein müsst. H-örst du ihn denn nicht fluchen.“
„Jau, lass den Krüppel ruhig näherkommen. Und du, meine edle Stute, trau dich nur, bleib bei mir, ein Gaul wie ich kann schließlich Bäume ausreißen.“
„Du bist wahnsinnig.“
„Jau, was soll der Kerl schon tun, außer dumme Sprüche zu klopfen.“
„Oh Mieu. Er wirft jedes Mal mit Steinen, die er aus seiner Tasche zieht.“
„Warum Mibell, hasst der Rabauke uns nur so?“
„Ein allzu rasanter Gaul soll seinen Unfall verursacht h-aben. Oh Mieu. Gib acht, da, er h-at die H-and schon...Uui, warum schmeißt er nicht und fährt einfach still vorbei. Und merkwürdig ernst h-at er plötzlich dreingeschaut, und Franz, wie er dich angestarrt h-at, und h-ast du sein trauriges Lächeln gesehen.“
„Jau, ich habe ihn erst gar nicht erkannt. Alt ist er geworden. Es ist mein damaliger Herr. Ich kann ihm nicht mehr böse sein. Guck nur, wie in sich zusammengefallen er dahingekarrt wird.“

*
Nun lass ich es aber erst mal genug sein, die Sonne lacht, da zieht es einen hinaus.

LG Enno - E-Mail: Amenbi12@aol.com

 Sprung  
Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen