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Dieses Thema hat 24 Antworten
und wurde 540 mal aufgerufen
 Lustiger Marktplatz mit eigenem Springbrunnen
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Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

22.12.2006 08:17
#16 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Karl Murcks wurde übrigens in Teheran gesichtet, verkleidet als Weihnachtsmann.



[ Editiert von Aramesh am 22.12.06 14:03 ]

Gemini Offline




Beiträge: 11.570

22.12.2006 10:43
#17 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Karl Murcks war mir kein Begriff, wohl, weil unsere Murckser eigene Namen hatten...
für mich hatte der erste praktizierende Karl Murcks den Decknamen Lenin.

mande ( gelöscht )
Beiträge:

22.12.2006 12:12
#18 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Ach, ja.
Erst kam Marx; dann kam Murcks und dann die Demokratie. Jetzt reden alle durcheinander und kein ´Schwein´ hört mehr zu. Und die Kapitalisten, Kulaken und Pfaffen kochen wider ihr eigen Süppchen. Doch wie schon gesagt:
Weltrevolution wird wiederholt!
Mande

florentine Offline




Beiträge: 5.116

22.12.2006 12:26
#19 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Wenn ich von den Pfaffen lese, muss ich immer an

SCHILLER - Die Räuber denken

ein tolles Stück

Aramesh Offline




Beiträge: 7.480

22.12.2006 13:39
#20 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Apropos Murcksche Revolution,

habe da was ausgegraben vom sog. Turnvater Jahn, was gar nicht so lustig ist und nach dem in Hamburg eine große Ringstraße benannt wurde.

"Die Kleinstaaterei verhindert Deutschlands Größe auf dem Erdenrund. Wer seinen Kindern die französische Sprache lehren lässt, ist ein Irrender, wer darin beharrt, sündigt gegen den heiligen Geist. Wenn er aber seinen Töchtern französisch lehren lässt, ist das ebenso gut, als wenn er ihnen Hurerei lehren lässt. Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück." -
(Friedrich Ludwig Jahn, 1810)

Lieben Gruß...
und ich gehe jetzt fröhlich in die Weihnachtszeit

juliamax Offline




Beiträge: 4.216

22.12.2006 18:28
#21 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Ich habe eine Revolution verpáßt! Mist, dabei hätte ich gern mitgemischt. Schöner Murcks.
Also begebe ich mich zur Gaststätte Bewekenhorn, in der Hoffnung ein klein wenig vom Revoluzerschnaps abzukriegen.

florentine Offline




Beiträge: 5.116

22.12.2006 19:18
#22 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

da geh ich doch glatt mit, ist mir doch zum Trinkerchen zumute

mande ( gelöscht )
Beiträge:

22.12.2006 19:44
#23 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Hier ein wichtiger Vertreter der "Weltrevolution" Erich Mühsam

Das Gedicht, nebst Erklärung


Der Revoluzzer

War einmal ein Revoluzzer,
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: «Ich revolüzze!»
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Strassen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Strassenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: «Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Lasst die Lampen stehn, ich bitt! –
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit.»

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.



Der Dichter - Erich Mühsam

Erich Mühsam wurde am 6. April 1878 in Lübeck geboren. 1900 kommt er als Apothekergehilfe nach Berlin, wird zum Leidwesen der Familie freier Schriftsteller, anarchistischer Agitator, Redakteur, Kabarettist und Bohemien (unkonventioneller Künstler). 1902 zieht Erich Mühsam nach Friedrichshagen. 1907 schreibt er sein berühmtestes Gedicht 'Der Revoluzzer', eine Satire auf den Reformismus der SPD. 1909 lässt Mühsam sich in München nieder und gibt ab 1911 eine eigene Zeitschrift 'Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit' heraus. Er machte während des Krieges pazifistisch-revolutionäre Propaganda, war führender Kopf in der Bayerischen Revolution 1918 und dann Mitglied der Münchener Räterepublik. Nach deren Sturz wird Mühsam in einem Hochverratsprozess zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er sechs Jahre verbüsste. Er verfasste während dieser Zeit u.a. das Revolutionsdrama 'Judas', das 1921 in Mannheim seine Uraufführung erlebte.

Als unbeugsamer Revolutionär und Verfasser revolutionärer Lieder war Mühsam zu Beginn der 20er Jahre weit über anarchistische Kreise hinaus in der Arbeiterschaft populär.

Er lebte nun mit seiner Frau Zensl in Berlin. Er setzte sich unermüdlich für politische Gefangene im ganzen Reichsgebiet ein und gab von 1926 bis 1931 erneut eine Zeitschrift 'Fanal' heraus und schrieb 1928 sein Drama 'Staatsräson'.

Mühsam warnte als Redner und Publizist hellsichtig vor dem aufkommenden Faschismus und wurde deshalb noch in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet und nach einem Leidensweg durch mehrere KZ in der Nacht zum 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Seine Frau Zensl emigrierte in die Sowjetunion, überlebte trotz Gefangenschaft die Stalinzeit und starb in den 50er Jahren in der DDR.

Mühsam schrieb gegen Unrecht und Unmenschlichkeit, sowie gegen die Unterdrückung der Frau. Dabei benutzte er vor allem konventionelle Versformen. Seine politischen Gedichte, Liebeslyrik und Satire zeigen einen radikalen, aber auch humorvollen Dichter. Er war ein kompromissloser und weder durch Festungshaft noch KZ beugbarer Kämpfer – ein rebellischer Poet und poetischer Rebell. Er wollte aber gedanklich, nicht formal revolutionär sein.
Interpretation

Ich glaube, Mühsam hat für unseren Arbeiter nicht nur des Reimes wegen den Beruf als Lampenputzer gewählt. Er wollte einen normalen Arbeiter mit wenig Ausbildung. Und zweitens macht ein Lampenputzer die Lampen wieder sauber, damit die Leute besser sehen können – also eigentlich ein wichtiger Beruf.

Nun, mir scheint es so, dass unser Arbeiter keinen richtigen Grund hat, bei dieser Revolution mitzumachen. Er wollte einfach 'dabei' sein. Vielleicht sucht er auch Anerkennung, da er nur ein unbeachteter Lampenputzer ist. [Zeile 5, 6] Er geht im gleichen Tempo, wie die andern, mit.

[Zeile 7] Er will den anderen zeigen, dass er jetzt auch revoluzzt. Damit es alle wissen, schreit er, als ob ER die Revolution selber initiiert hätte: «ICH revolüzze!».

[Zeile 8, 9] Er trägt als äusseres Zeichen eine Mütze und zwar trägt er diese wegen den Sozialdemokraten links.

[Zeile 10] Er meinte nur, er wäre wichtig und gefährlich – war es aber eigentlich nicht.

[Zeilen 11-12] Die Revoluzzer sind mitten auf den Strassen. Sie zeigen und bekennen sich. Sie sind nicht etwa versteckt.

[Zeilen 13-18] Dies ist nun die Enttäuschung; die Revoluzzer nehmen nämlich keine Rücksicht auf unseren Lampenputzer, obwohl er eigentlich treu seinen Dienst tut. Er fühlt sich verraten und beginnt an der Aufrichtigkeit seiner Kollegen zu zweifeln. Mit Gewalt wollen sie die Gaslaternen aus dem Boden herausnehmen, um daraus Barrikaden zu bauen. Es ist gleich, wie sie zum Ziel kommen, Hauptsache: sie kommen. Der Zweck heiligt die Mittel.

[Zeilen 19-21] Die Leute brauchen dieses Licht.

[Zeilen 22-25] Nun beginnt er, selbständig zu denken: Wenn er bei den Revoluzzern weiter mitmacht – also wenn er da hilft, die Laternen auszureissen –, schadet er den Bürgern und natürlich auch sich selbst. So will er seine Genossen daran hindern. Doch diese hören nicht auf ihn und machen, was sie wollen. Darum entscheidet er sich, nicht mehr mitzumachen:

[Zeile 26] Dies ist auch wieder ein Hinweis, dass er die Revolution nicht so ernst nimmt und keinen Grund dafür sieht. Sonst würde er nicht sagen, er spiele nicht mehr mit.

[Zeilen 27-30] Ohne Rücksicht nehmen Sie die Lampen jetzt raus. Für ihn ist jetzt die ganze Welt zusammengebrochen. Er geht leise weg, obwohl ihm die Revolution eigentlich noch gefallen hatte.

[Zeilen 31-34] Zuletzt emanzipiert er sich scheinbar und schreibt eine Anleitung, wie man revoluzzt ohne Schaden zu machen, aber nicht wieso man revoluzzt. Er sieht also noch immer keinen eigentlichen Grund.
Metrik

Das Gedicht besteht aus acht Strophen à vier Versen. Es hat eine einheitliche, einfache Metrik: Es sind alles Paarreime, wobei die ersten zwei Verse innerhalb einer Strophe – mit acht Silben – weibliche, die anderen zwei – mit sieben Silben – eine männliche, stumpfe Kadenz haben. Vom Metrum her sind es alles Trochäen; demnach ist die erste Silbe betont, während die zweite unbetont bleibt; die dritte wieder betont, usw...

Vom Satzbau ist zu sagen, dass es mehrere Enjambements hat, wie z.B.: ... und der Lampenputzer schlich / fort und weinte bitterlich.


Wünsche noch einen schönen und ganz unrevolutionären Abend,
Mande

Gast ( gelöscht )
Beiträge:

26.12.2006 11:43
#24 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Was für ein Lebensweg, den Du da beschreibst, lieber Mande, und was für ein trauriges Ende. Doch ohne jene Menschen wäre unsere Welt wirklich um vieles ärmer.

Mit lieben und aufmüpfigen Grüßen

mande ( gelöscht )
Beiträge:

26.12.2006 12:09
#25 RE: Weltrevolution.Plan nach Hans Ziepert. antworten

Lieber Gast,
wer du auch seiest. Recht hast du.
Auch dir, ich wünsche ein gesegnetest Weihnachtsfest und frohes und glückliches Neues Jahr.

Mit mehr friedliceh, als revolutionären Grüssen,
Mande

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